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In welchen Verfahren ist obligatorische Mediation vorgeschrieben?

Letzte Aktualisierung: 19. Juli 2026

Was bedeutet Mediation als Prozessvoraussetzung?

Bei der Mediation als Prozessvoraussetzung muss die klagende Partei vor Einreichung bestimmter Klagen zunächst ein Mediationsverfahren einleiten. Häufig wird hierfür der Ausdruck obligatorische oder verpflichtende Mediation verwendet. Die gesetzliche Pflicht bezieht sich auf den Antrag und den ordnungsgemäßen Abschluss des Verfahrens, nicht auf die Annahme eines Vergleichs.

Wer einen Anwalt in Antalya oder einen Anwalt in Serik konsultiert, sollte das Rechtsverhältnis und den konkreten Klageantrag vorab einordnen. Eine bloße Bezeichnung wie „Handelssache“, „Mietstreit“ oder „Immobilienverfahren“ genügt nicht immer, weil Ausnahmen und besondere Anträge unterschiedlich behandelt werden können.

Obligatorische Mediation in Arbeitsstreitigkeiten

Ansprüche und Entschädigungen aus individuellen oder kollektiven Arbeitsverträgen sowie Wiedereinstellungsklagen unterliegen grundsätzlich der vorgeschalteten Mediation. Dazu können Lohn, Überstundenvergütung, Urlaubsentgelt, Abfindung, Kündigungsentschädigung und Wiedereinstellung gehören.

Schadensersatzklagen wegen Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten und damit verbundene Regressansprüche werden nach dem Arbeitsgerichtsgesetz gesondert behandelt. Die genaue Anspruchsgrundlage muss daher geprüft werden.

Handelsrechtliche Streitigkeiten

Handelsrechtliche Klagen, die auf Zahlung eines Geldbetrags oder Schadensersatz gerichtet sind, unterliegen im gesetzlichen Umfang der obligatorischen Mediation. Die handelsrechtliche Einordnung kann sich aus der Unternehmereigenschaft der Parteien, dem türkischen Handelsgesetzbuch oder einem Spezialgesetz ergeben.

Nicht jede handelsrechtliche Klage ist automatisch erfasst. Statusklagen, die Anfechtung eines Gesellschafterbeschlusses oder andere nicht auf Geld gerichtete Begehren können einer gesonderten Beurteilung bedürfen. Für erfasste handelsrechtliche Geldforderungen gilt grundsätzlich eine Bearbeitungszeit von sechs Wochen mit einer möglichen Verlängerung um zwei Wochen.

Verbraucherstreitigkeiten

Streitigkeiten, die vor dem Verbrauchergericht ausgetragen werden, unterliegen grundsätzlich der obligatorischen Mediation, soweit das Gesetz keine Ausnahme bestimmt. Forderungen innerhalb der jeweils geltenden Wertgrenze der Verbraucher-Schiedsstelle, Einwendungen gegen deren Entscheidungen und weitere ausdrücklich ausgenommene Verfahren folgen eigenen Regeln.

Die jährlich angepasste Wertgrenze und die rechtliche Natur des Verbraucherrechtsverhältnisses sollten vor Wahl der Behörde oder des Gerichts kontrolliert werden.

Miet- und immobilienbezogene Streitigkeiten

Streitigkeiten aus Mietverhältnissen unterliegen grundsätzlich der obligatorischen Mediation. Ausgenommen ist die Räumung von vermieteten Immobilien über das besondere außergerichtliche Vollstreckungsverfahren nach dem Vollstreckungs- und Insolvenzgesetz.

Erfasst sind außerdem Streitigkeiten über Teilung beweglicher und unbeweglicher Sachen und Aufhebung von Miteigentum, Konflikte aus Wohnungseigentum und nachbarrechtliche Streitigkeiten. Einigungen über Immobilien müssen besondere Form-, Eintragungs- und Vollstreckbarkeitsregeln beachten.

Übersicht zum Anwendungsbereich

Streitkategorie Typische Beispiele Wichtige Besonderheit
Arbeitsrecht Lohn, Überstunden, Abfindung und Wiedereinstellung Arbeitsunfall- und Berufskrankheitsschäden werden gesondert beurteilt.
Handelsrechtliche Geldforderungen Rechnung, Vertragsschuld und kommerzieller Schadensersatz Handelssache und Geld- oder Schadensersatzantrag müssen gemeinsam vorliegen.
Verbraucherrecht Mangelhafte Ware, Dienstleistung, Bank- oder Abonnementstreit Wertgrenze und Zuständigkeit der Verbraucher-Schiedsstelle sind zu prüfen.
Mietrecht Miete, Kaution, Schäden, Beendigung und gerichtliche Räumung Die besondere Räumung im Vollstreckungsverfahren ist ausgenommen.
Miteigentum und Teilung Aufhebung von Miteigentum und Teilung von Vermögen Immobilienvereinbarungen benötigen besondere rechtliche Kontrolle.
Wohnungs- und Nachbarrecht Gemeinschaftskosten, Gemeinschaftsflächen und nachbarliche Einwirkungen Rechtsgrund und konkreter Antrag bleiben entscheidend.

Welche Streitigkeiten sind nicht mediationsfähig?

Mediation ist nur bei privatrechtlichen Angelegenheiten möglich, über die die Parteien frei verfügen können. Strafverfolgung, Personenstand, Geschäftsfähigkeit und vergleichbare Fragen der öffentlichen Ordnung können nicht durch eine private Mediationsvereinbarung erledigt werden.

Eine Scheidung und die gerichtliche Entscheidung über das Sorgerecht können nicht allein durch eine Mediationsvereinbarung herbeigeführt werden. Streitigkeiten mit Behauptungen häuslicher Gewalt sind nach dem Gesetz über Mediation in Zivilstreitigkeiten nicht mediationsfähig.

Was geschieht ohne vorherigen Antrag?

Wird eine Klage erhoben, obwohl die gesetzlich vorgeschriebene Mediation nicht abgeschlossen wurde, weist das Gericht die Klage wegen fehlender Prozessvoraussetzung verfahrensrechtlich ab. Wurde die Mediation zwar durchgeführt, aber das abschließende Nichteinigungsprotokoll nicht beigefügt, setzt das Gericht regelmäßig eine bestimmte einwöchige Frist zur Nachreichung. Wird diese Frist versäumt, kann ebenfalls eine prozessuale Abweisung folgen.

Das Antragsverfahren wird in Wie wird ein Antrag auf Mediation in der Türkei gestellt? erläutert.

Auswirkung auf Verjährungs- und Ausschlussfristen

Zwischen Antrag bei der Mediationsstelle und Erstellung des Abschlussprotokolls ruht die Verjährung; gesetzliche Ausschlussfristen laufen im Rahmen der besonderen Regelung nicht weiter. Die genauen Daten sollten für eine spätere Klage dokumentiert werden.

Müssen die Parteien eine Einigung erzielen?

Nein. Die Parteien sind nicht verpflichtet, einen Vorschlag anzunehmen oder Rechte aufzugeben. Die mediierende Person darf keine Entscheidung erzwingen. Die Parteien sollten jedoch vorbereitet teilnehmen und die rechtlichen, wirtschaftlichen und vollstreckungsrechtlichen Folgen einer Einigung verstehen.

Häufig gestellte Fragen

Ist vor einer Scheidung obligatorische Mediation erforderlich?

Nein. Scheidung, Sorgerecht und Personenstandsfragen setzen eine gerichtliche Entscheidung voraus.

Ist vor einer Räumungsklage wegen eines Mietverhältnisses Mediation nötig?

Grundsätzlich ja bei gerichtlichen Mietstreitigkeiten. Die besondere außergerichtliche Räumung über das Vollstreckungsverfahren ist ausgenommen.

Gilt die Pflicht bei einer Klage auf Aufhebung eines Vollstreckungseinspruchs?

Das hängt vom zugrunde liegenden Rechtsverhältnis ab. Bei arbeits-, handels-, verbraucher- oder mietrechtlichen Forderungen kann sie bestehen.

Ist Mediation vor einer Klage auf Aufhebung von Miteigentum vorgeschrieben?

Ja. Teilungs- und Aufhebungsstreitigkeiten sind in den gesetzlichen Anwendungsbereich aufgenommen.

Beeinflusst der Antrag die Verjährung?

Ja. Die Verjährung ruht und Ausschlussfristen laufen vom Antrag bis zum Abschlussprotokoll nicht weiter.

Kann nach erfolgloser Mediation Klage erhoben werden?

Ja. Das abschließende Nichteinigungsprotokoll wird der Klage beigefügt.

Was geschieht, wenn die Gegenseite nicht zum ersten Termin erscheint?

Das Verfahren kann als nicht durchgeführt oder ohne Einigung beendet werden. Zusätzlich können besondere Kostenfolgen nach der gesetzlichen Regelung zu prüfen sein.

Den konkreten Klageantrag auf Mediationspflicht prüfen

Ob Mediation Prozessvoraussetzung ist, richtet sich nach Rechtsverhältnis und gewünschter gerichtlicher Entscheidung. Rechtsanwältin Selin ÖNEM KONUR kann im Rahmen von Likya Hukuk Danışmanlık prüfen, ob die Streitigkeit erfasst ist und welcher Verfahrensschritt als Nächstes erforderlich ist. Für eine Prüfung nutzen Sie bitte unsere Kontaktseite.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über obligatorische Mediation nach türkischem Recht. Ausnahmen, jährlich angepasste Wertgrenzen und der genaue Klageantrag müssen im Einzelfall geprüft werden.

LinkedIn-Profil von Rechtsanwältin Selin ÖNEM KONUR